Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM): Ziele, Schwerpunkte, Nutzen, Ablauf, Bücher und Umsetzung

zuletzt aktualisiert:
18. Dezember 2018
Bild zeigt Beratung eines Unternehmens Arzt im Büro
Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) ist wichtiger als je zuvor. Die Arbeitswelt wird immer schnelllebiger. Dieser ratgeber informiert Sie über die Ziele, Schwerpunkte, Nutzen, Ablauf und die Umsetzung eines funktionierenden Gesundheitsmanagements innerhalb eines Unternehmens.

Betriebliches Gesundheitsmanagement – Maßnahme die sich für jedes Unternehmen lohnt

Es ist erforderlich, sein Unternehmen ständig an neue Rahmenbedingungen bzw. innovative Technologien anzupassen, so spielt das BGM auch eine immer größere Rolle im digitalen Bereich. Gleichzeitig erhöht sich der Stresspegel, wodurch die körperlichen bzw. psychischen Überlastungen als auch die Zahl der Krankenstände kontinuierlich steigen. In Gesundheitsmanagement zu investieren lohnt sich für jede Unternehmensgröße. Zeitgleich wird dadurch auch der wichtigste Erfolgsfaktor, sprich die Mitarbeiter, gestärkt und gefördert. Als zukunftsorientierter Arbeitgeber ist es wichtig, sowohl als Vorsorge als auch zur Prävention, in die Mitarbeiter zu investieren.

Was sind die Schwerpunkte beim betrieblichen Gesundheitsmanagement?

Eine betriebliche Gesundheitsförderung umfasst generell alle gemeinsamen Schritte und Maßnahmen von Arbeitnehmer und Arbeitgeber, um die Gesundheit und das Wohlbefinden im Unternehmen zu verbessern. Ganzheitliches betriebliches Gesundheitsmanagement bemüht sich im Prinzip um drei Handlungsfelder:

  1. vollständiger Arbeitsschutz
  2. Eingliederungsmanagement im Betrieb
  3. Gesundheitsförderung

Beispielsweise gehören zum vollständigen Arbeitsschutz, dass für jeden einzelnen Arbeitsplatz die möglichen Gefährdungen ermittelt bzw. beurteilt werden, um erforderliche Maßnahmen zu ergreifen. Beim Eingliederungsmanagement geht es um die Wiedereingliederung von beispielsweise Langzeiterkrankten. Mithilfe eines systematischen Coachings wird diesen Arbeitnehmern geholfen, wieder zurück in den Berufsalltag zu kommen. Betriebliche Gesundheitsförderung umfasst alle Verbesserungsmöglichkeiten, um sowohl das Wohlbefinden als auch die Gesundheit am Arbeitsplatz zu verbessern. Beispielsweise könnten persönliche Kompetenzen der Mitarbeiter gestärkt oder Arbeitsbedingungen - im Büro unter Umständen durch höhenverstellbare Schreibtische und andere ergonomische Maßnahmen - verbessert werden. In diesem Zusammenhang ist vor allem wichtig den Mitarbeitern die Möglichkeit zu bieten die Familie, den Beruf und das Privatleben miteinander zu vereinbaren damit eine gute Work-Life-Balance gewährleistet wird.

Empfohlene Fachliteratur zum Thema betriebliches Gesundheitsmanagement

Ratgeber und empfohlene Bücher zum Thema BGM gibt es viele. Nachfolgend führen wir Fachliteratur auf, die auch von Lesern als nützlich empfunden wurden, weshalb auch wir sie in unseren Empfehlungen aufführen können.

Ziele des betrieblichen Gesundheitsmanagements

Das größte Ziel ist immer die Belastungen der Arbeitnehmer zu minimieren und dabei die persönlichen Kompetenzen zu stärken. Das gelingt jedoch nur durch eine gute Lebensqualität und optimale Arbeitsbedingungen am Arbeitsplatz. Generell gibt es sowohl kurz-bis mittel- bzw. langfristige Ziele:

Kurz- bis mittelfristige Ziele des betrieblichen Gesundheitsmanagements:

  • Stärkung der individuellen Kompetenzen der einzelnen Mitarbeiter
  • Verbesserung der organisatorischen Bedingungen

Langfristige Ziele:

  • Weiterentwicklung von Qualität und Produktivität im Betrieb
  • Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit

Aus dieser Zielformulierung geht eine Win-win-Situation für den Arbeitgeber und für die Mitarbeiter hervor. Die Gesundheit und die Motivation der Arbeitnehmer werden gesteigert und auf der anderen Seite erhöhen sich auch die Produktivität, die Innovationsfähigkeit und die Qualität des Unternehmens.

Welchen Nutzen hat das Unternehmen von der Einführung eines BGM?

Durch ein umfassendes betriebliches Gesundheitsmanagement ist es dem Unternehmen möglich sowohl die Produktivität zu steigern als auch die Organisations-, Prozess- und Arbeitsabläufe zu verbessern. Darüber hinaus steigen die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter und die Zufriedenheit mit der Arbeit. Zudem fühlen sich die Arbeitnehmer mehr Wert geschätzt, wodurch die Motivation und die Loyalität steigen.

Eine gesteigerte Leistungsfähigkeit wiederum verbessert langfristig das Unternehmensimage und die Kundenzufriedenheit steigt ebenfalls an. Werden Maßnahmen ergriffen, die das Wohlbefinden und die Gesundheit der Mitarbeiter steigern, so verbessert sich auf lange Sicht das Arbeitsklima. Durch den verbesserten Umgang zwischen den Kollegen verringert sich nicht nur der Stresspegel, sondern es sinkt auch das Risiko für Burn-out und Mobbing. Unternehmen, die sich um ein betriebliches Gesundheitsmanagement bemühen, profitieren auch durch eine Kosteneinsparung. Wenn sich Mitarbeiter wohlfühlen, wechseln sie nicht so häufig bzw. so schnell den Arbeitsplatz. Dadurch verringert sich im Unternehmen die Fluktuation. Aufgrund von eingeführten Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements werden auch die Kosten für Krankenstände und Unfälle reduziert.

Warum rechnet sich ein betriebliches Gesundheitsmanagement?

Es gibt mittlerweile viele aussagekräftige Studien darüber, wie viel Rendite ein Gesundheitsmanagement dem Unternehmen bringt. In Deutschland wurde ein sogenannter „Return on Prevention“ von 1,6 ermittelt. Dieser Wert gibt an, dass pro eingesetzten Euro in den betrieblichen Gesundheits- und Arbeitsschutz durchschnittlich wieder 1,6 Euro zurück ins Unternehmen fließen. Alleine die Kostenreduktion sollte schon Grund genug sein, um in ein BGM zu investieren. Dadurch lassen sich nicht nur Entgeltfortzahlungen im Krankheitsfall reduzieren, sondern auch Erwerbsunfähigkeitspensionen und etwaige Ausgaben für Krankenbehandlungen.

Verwunderlich ist es deshalb, dass das betriebliche Gesundheitsmanagement heute und in den nächsten 10 Jahren einen so geringen Stellenwert einnimmt. Weniger als die Hälfte aller Befragten haben sich bis dato noch nie Gedanken über eine betriebliche Gesundheitsförderung gemacht. Aufgrund des demografischen Wandels und der drastischen Zunahme an psychischen Erkrankungen sowie der erhöhten Anzahl an Muskel- bzw. Skeletterkrankungen sollte sich aber jedes Unternehmen damit auseinandersetzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Denn die Mitarbeiter stellen die wichtigste Ressource jedes Unternehmens dar. Wesentliche Erfolgsfaktoren sind in diesem Zusammenhang die Erhaltung der Leistungsfähigkeit (Gesundheit) aber auch die Leistungsbereitschaft (Motivation).

Wie ist der Ablauf bei der Einführung einer betrieblichen Gesundheitsförderung?

  1. Ziele formulieren und Strukturen schaffen: Hierbei ist es wichtig inner-, sowie außerbetriebliche Partner zu gewinnen und mit ihnen zu kooperieren.
  2. Situationsanalyse: Zuerst muss eine gesundheitsbezogene Ausgangslage im Unternehmen erhoben werden. Wichtig ist es hierbei die Mitarbeiter miteinzubeziehen.
  3. Partizipative Entwicklung: Es sollte den Arbeitnehmern die Möglichkeit angeboten werden sich an der Entwicklung zu beteiligen.
  4. Maßnahmen festlegen: In dieser Phase ist es wesentlich realistische Ziele bzw. Prioritäten zu formulieren und Entscheidungen herbeizuführen.
  5. Umsetzung der Maßnahmen: Die zuvor festgelegten verhaltens- sowie verhältnisorientierten Maßnahmen werden in diesem Schritt umgesetzt und dokumentiert.
  6. Evaluation: Es erfolgt eine Wirkungsüberprüfung, wobei alle Veränderungen sowie Wirkungen erhoben und ausgewertet werden.
  7. Gesundheitskommunikation: Nach der Einführung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements muss eine interaktive und aktuelle Kommunikation im Betrieb sichergestellt werden.

Das Ziel nicht aus den Augen verlieren – wie eine nachhaltige Umsetzung funktioniert

Damit gute Vorsätze keine Einzelaktionen bleiben, sollten sich Unternehmen nach der Einführung regelmäßig mit den Themen Wohlbefinden und Gesundheit am Arbeitsplatz auseinandersetzen. Hierbei kann es hilfreich sein Teambesprechungen zum betrieblichen Gesundheitsmanagement einzuführen oder aber eine Person damit beauftragen, die das wichtige Thema weiter betreut und präsent hält. Nur so kann dafür gesorgt werden, dass ein weiterhin gesundes Unternehmen gesunde Arbeitnehmer beschäftigt.

Wenn ein Unternehmen etwas für die Gesundheit der Mitarbeiter beitragen möchte, dann ist es wichtig gemeinsam Maßnahmen zu entwickeln und gegenwärtige Trends mit Maßnahmen abzugleichen, die an den Betrieb angepasst sind. In manchen Fällen kann es notwendig sein, auch externe Berater als Unterstützung einzusetzen. Nur ein gesundes Unternehmen wird auf Dauer erfolgreich sein. Durch eine betriebliche Gesundheitsförderung wird neben einer Kosteneinsparung auch erreicht, dass ein hohes Vertrauen in die Führung, sowie ein Zusammenhalt und gegenseitiges Vertrauen unter den Mitgliedern besteht. Um die Ziele zu erreichen, ist es von immenser Wichtigkeit, dass von Anfang an die Beschäftigten in den Entwicklungs- bzw. Einführungsprozess miteinbezogen werden.

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